Warum positive Verstärkung im Hundetraining so wertvoll ist
Verstärkung ist schon etwas Cooles. Durch ein bisschen Keksi geben lernt mein Hund die unterschiedlichsten Tricks und Signale. Okay, ganz so einfach ist es dann doch nicht, aber auch nicht viel komplizierter.
Strafe hingegen ist eine ganz andere Geschichte. Damit sie überhaupt eine Wirkung hat, müssen einige Dinge zusammenpassen. Und selbst dann bedeutet das nicht, dass dein Hund versteht, was du eigentlich von ihm möchtest.
Außerdem können Strafen unangenehme Gefühle auslösen und das Vertrauen zwischen dir und deinem Hund belasten.
Um das Ganze besser zu verstehen, tauchen wir ein bisschen tiefer in die Lerntheorie ein. Denn wenn wir verstehen, wie Hunde lernen, können wir unser Training bewusster und fairer gestalten.
Was bedeutet positive und negative Verstärkung beim Hund?

In der Lerntheorie unterscheiden wir zwischen vier verschiedenen Arten von Konsequenzen: positive Verstärkung, negative Verstärkung, positive Strafe und negative Strafe.
Keine Sorge, positiv und negativ bedeutet hier nicht gut und schlecht. Es beschreibt lediglich, ob etwas hinzugefügt oder weggenommen wird.
Damit du weißt, welche Art von Feedback du gerade gibst, habe ich hier eine kleine Übersicht für dich:
| Feedbackart | Was passiert? | Wirkung auf das Verhalten |
|---|---|---|
| Positive Verstärkung | Etwas Angenehmes kommt hinzu. | Das Verhalten wird häufiger. |
| Negative Verstärkung | Etwas Unangenehmes hört auf. | Das Verhalten wird häufiger. |
| Positive Strafe | Etwas Unangenehmes kommt hinzu. | Das Verhalten wird seltener. |
| Negative Strafe | Etwas Angenehmes wird weggenommen. | Das Verhalten wird seltener. |
Ein wichtiger Punkt dabei: Ob etwas tatsächlich eine Verstärkung oder eine Strafe ist, erkennen wir an der Wirkung auf das zukünftige Verhalten. Wir können also nicht allein anhand unserer Absicht entscheiden, was wir gerade einsetzen.
Schauen wir uns die vier Möglichkeiten anhand von Beispielen aus dem Hundealltag genauer an.
Positive Verstärkung Dein Hund macht auf dein Signal hin ein Sitz. Du gibst ihm dafür ein Keksi. Wenn dein Hund das Keksi gerne mag und dadurch das Sitz künftig häufiger zeigt, hast du sein Verhalten positiv verstärkt. Bei der positiven Verstärkung fügen wir also etwas Angenehmes hinzu, damit ein bestimmtes Verhalten häufiger gezeigt wird. Genau diese Art der Verstärkung nutze ich besonders gerne im Hundetraining.
Negative Verstärkung Du übst mit deinem Hund das Sitz und übst dabei mit zwei Fingern Druck auf seinen Po aus. Sobald er sich hinsetzt, hört der Druck auf. Wenn dein Hund dadurch künftig häufiger auf das Signal Sitz reagiert, wurde dieses Verhalten negativ verstärkt. Das bedeutet aber nicht, dass diese Vorgehensweise empfehlenswert ist. Körperlicher Druck kann für deinen Hund unangenehm sein. Es gibt wesentlich angenehmere Möglichkeiten, ihm ein Sitz beizubringen.
Positive Strafe Dein Hund zieht an der Leine und du gibst ihm einen Leinenruck, damit er damit aufhört. Wenn er daraufhin künftig seltener an der Leine zieht, wurde das Ziehen positiv bestraft. Ein Leinenruck kann Schmerzen und Unbehagen verursachen. Gerade sensible oder ohnehin unsichere Hunde können dadurch zusätzlich verunsichert werden. Auch negative Verknüpfungen mit der Leine, bestimmten Situationen oder der Bezugsperson sind möglich.
Negative Strafe Dein Hund zwickt dich beim gemeinsamen Zerrspiel immer wieder in die Hand. Du beendest daraufhin das Spiel und legst das Spielzeug für einen kurzen Moment weg. Wenn dein Hund dadurch künftig seltener in deine Hand zwickt, wurde dieses Verhalten negativ bestraft.
Wichtig ist dabei, auf die Frustrationstoleranz deines Hundes zu achten. Das Spiel sollte wirklich nur kurz unterbrochen werden, damit dein Hund nicht unnötig frustriert wird. Anschließend kannst du das Spielzeug wieder anbieten und gemeinsam weiterspielen.
Bei der negativen Strafe wird also etwas Angenehmes weggenommen – in diesem Fall das gemeinsame Spiel. Voraussetzung ist natürlich, dass das Spiel für deinen Hund tatsächlich etwas Angenehmes ist und sein Verhalten dadurch langfristig seltener auftritt.
Warum ich Verstärkung lieber mag als Strafe
Jetzt kennst du die vier verschiedenen Möglichkeiten, wie wir auf das Verhalten unseres Hundes einwirken können.
Und verstehst du schon, warum ich Verstärkung so viel lieber mag als Strafe?
Natürlich lässt sich im Alltag nicht immer vermeiden, dass wir auch einmal etwas Angenehmes wegnehmen. Bei der negativen Strafe kann es beispielsweise sinnvoll sein, ein Spiel kurz zu unterbrechen oder eine Belohnung vorübergehend zurückzuhalten, wenn ein bestimmtes Verhalten dadurch seltener wird.
Wichtig ist mir dabei, dass wir immer das Wohlbefinden unseres Hundes im Blick behalten und solche Situationen fair und möglichst frustarm gestalten.
Auf positive Strafe, also das Hinzufügen von etwas Unangenehmem wie Schmerz, Einschüchterung oder körperlichem Druck, möchte ich im Hundetraining hingegen ganz bewusst verzichten.
Stell dir einmal vor, du kommst zu spät zur Arbeit und dein Chef gibt dir als Feedback eine Ohrfeige. Würdest du dadurch besser verstehen, was er von dir erwartet? Vermutlich eher nicht.
Du würdest dich vielleicht erschrecken, ärgern oder beim nächsten Mal Angst davor haben, wieder zu spät zu kommen.
Natürlich ist das Beispiel mit dem Chef nicht eins zu eins auf unsere Hunde übertragbar. Aber es zeigt ganz gut, dass unangenehme Konsequenzen nicht automatisch dazu führen, dass wir etwas besser lernen.
Lernt mein Hund durch Strafe wirklich das Richtige?

Warum ich so gerne mit positiver Verstärkung arbeite?
Weil ich meinem Hund damit zeigen kann, welches Verhalten ich mir wünsche, anstatt ihm nur zu sagen, was er nicht tun soll.
Ein Beispiel:
Dein Hund zieht bei Hundebegegnungen an der Leine und bellt den entgegenkommenden Hund an.
Mit Strafe kann ich vielleicht erreichen, dass er das Bellen kurzfristig unterdrückt. Aber weiß er deshalb, was er stattdessen tun soll? Nicht unbedingt.
Vielleicht bellt er beim nächsten Hund wieder. Vielleicht zeigt er sein Unbehagen auch anders. Das eigentliche Problem muss durch die Unterdrückung des Verhaltens nämlich nicht verschwunden sein.
Mit positiver Verstärkung können wir hingegen ein alternatives Verhalten aufbauen. Wir können beispielsweise belohnen, wenn dein Hund einen anderen Hund auf Abstand ruhig wahrnimmt, sich zu dir orientiert oder gemeinsam mit dir aus der Situation geht.
Natürlich passiert das nicht von heute auf morgen. Wir müssen herausfinden, was unser Hund braucht, die Schwierigkeit passend wählen und in kleinen Schritten trainieren.
Aber genau darin liegt für mich der große Unterschied: Wir geben unserem Hund eine Möglichkeit, etwas richtig zu machen.
Viele Hundehalter/innen wünschen sich eine schnelle Veränderung. Das kann ich gut verstehen. Wenn der Alltag anstrengend ist und Spaziergänge zur Herausforderung werden, möchte man natürlich möglichst rasch eine Verbesserung sehen.
Der vermeintlich schnelle Erfolg durch Strafe kann da verlockend wirken. Auch im Fernsehen werden teilweise Trainingsmethoden mit Schreck- und Schmerzreizen gezeigt. Was man dabei allerdings oft nicht sieht, ist, wie es dem Hund danach geht und ob die Veränderung tatsächlich langfristig bestehen bleibt.
Ja klar, bei positiver Verstärkung musst DU mit deinem Hund trainieren. Das kostet Zeit und ist nicht immer einfach. Auch hier läuft nicht jeder Trainingsschritt sofort nach Plan.
Aber wenn du dranbleibst, deinen Hund beobachtest und im richtigen Moment belohnst, kannst du ihm helfen, neue Verhaltensweisen zu lernen und diese nach und nach in euren Alltag zu übertragen.
Eine Garantie für einen bestimmten Trainingserfolg gibt es natürlich nicht. Jeder Hund lernt anders und bringt seine eigene Geschichte mit. Genau deshalb sollte das Training auch immer zu deinem Hund und euren Möglichkeiten passen.
Du möchtest deinen Hund besser verstehen?
Vielleicht bist du jetzt neugierig geworden, wie positive Verstärkung im Alltag tatsächlich funktioniert. Oder du fragst dich, wie du ein bestimmtes Verhalten bei deinem Hund verändern kannst.
Dann probiere es aus! Und wenn du nicht weiterkommst, hol dir Unterstützung bei einer tierschutzqualifizierten Hundetrainerin oder einem tierschutzqualifizierten Hundetrainer.
Lass dir zeigen, wie du deinem Hund mit fairen und kleinschrittigen Trainingsmethoden helfen kannst.
Denn für mich steht fest: Mein Hund soll nicht aus Angst etwas unterlassen, sondern durch Lernen verstehen, welches Verhalten ihm und uns im gemeinsamen Alltag weiterhilft.
. Verstehen. Vertrauen. Zusammenwachsen. Das ist für mich der Weg zu einem entspannten Zusammenleben mit unseren Hunden.
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Verstehen. Vertrauen. Zusammenwachsen.