Warum Halsband und Schleppleine gefährlich sein können
Hin und wieder sehe ich es noch: Hunde, die mit Halsband und Schleppleine unterwegs sind. Und jedes Mal stehen mir dabei die Haare zu Berge!
Denn wenn dein Hund mit Schwung in die Schleppleine rennt, können erhebliche Kräfte auf seinen Hals einwirken. Das kann schmerzhaft sein und im schlimmsten Fall zu Verletzungen führen.
Die Halswirbelsäule, der Kehlkopf und die umliegenden Strukturen sind nicht dafür gedacht, solche plötzlichen Belastungen regelmäßig abzufangen.
Bei einem gut sitzenden Brustgeschirr werden die auftretenden Kräfte über eine größere Körperfläche verteilt. Beim Halsband konzentriert sich die Belastung hingegen auf den empfindlichen Halsbereich.
Um dir das etwas bildlicher und verständlicher zu erklären, stell dir Folgendes vor:
Du hast ein Tuch oder einen Schal um deinen Hals und bleibst damit plötzlich irgendwo hängen. Wie fühlt sich das an? Also ich finde es ziemlich unangenehm. Im schlimmsten Fall drückt es mir sogar die Luft ab.
Und jetzt stell dir vor, du wirst nicht nur langsam zurückgehalten, sondern rennst mit Schwung in das Tuch hinein.
Genau das kann passieren, wenn dein Hund an der Schleppleine unterwegs ist und plötzlich das Ende der Leine erreicht. Dabei entstehen Kräfte, die den Hals deines Hundes erheblich belasten können.
Deshalb ist für mich ganz klar: Wenn du eine Schleppleine verwendest, gehört diese an ein gut sitzendes Brustgeschirr und nicht ans Halsband. Dabei spielt es keine Rolle, ob deine Schleppleine vier, fünf oder zehn Meter lang ist.

Aber mein Hund macht das doch schon immer so …
Es gibt einige Argumente, die ich in diesem Zusammenhang immer wieder höre. Schauen wir sie uns einmal genauer an.
„Mein Hund ist selbst schuld, wenn er in die Leine rennt."
Nein, ist er nicht! Dein Hund kann die Welt nicht mit deinen Augen betrachten und weiß nicht automatisch, wo die Schleppleine endet.
Er darf seine Umwelt erkunden, schnüffeln und seinen Bedürfnissen nachgehen. Wir als Menschen tragen allerdings die Verantwortung dafür, dass er sich dabei nicht verletzt.
Deshalb ist es sinnvoll, deinem Hund ein Signal beizubringen, das ihm das Ende der Leine ankündigt. So kannst du ihm rechtzeitig vermitteln, dass er langsamer werden oder stehen bleiben soll.
Das muss natürlich kleinschrittig und positiv aufgebaut werden. Denn auch dieses Signal muss dein Hund erst einmal verstehen und lernen.
„Mit einem Geschirr zieht mein Hund doch viel mehr als mit einem Halsband!"
Das höre ich tatsächlich öfter. Aber ein Brustgeschirr führt nicht automatisch dazu, dass dein Hund stärker zieht.
Der Unterschied ist: Am Geschirr kann dein Hund bei einem Zug mehr Kraft aufbringen, ohne dass ihm dabei direkt die Luft abgeschnürt wird. Das ist aber kein Grund, auf ein Halsband zurückzugreifen.
Wenn dein Hund an der Leine zieht, sollten wir uns lieber anschauen, warum er das tut und wie wir ihm helfen können, entspannter an der Leine zu laufen.
Ein Halsband, das bei jedem Zug unangenehmen Druck auf den Hals ausübt, ist jedenfalls keine sinnvolle Trainingsmethode.
„Mein Hund gewöhnt sich das Ziehen schon ab, wenn es unangenehm wird."
Auch diesen Gedanken höre ich immer wieder. Schließlich müsste dein Hund doch irgendwann merken, dass es unangenehm ist, wenn er in die Leine rennt oder sich selbst die Luft abschnürt.
Aber so einfach funktioniert Lernen nicht.
Wenn dein Hund etwas unbedingt erreichen möchte, kann die Motivation dafür so groß sein, dass er die unangenehme Einwirkung in Kauf nimmt. Das bedeutet aber nicht, dass er gelernt hat, entspannt an der Leine zu laufen.
Im Gegenteil: Durch wiederholten Druck und unangenehme Erfahrungen können zusätzliche Belastungen und negative Verknüpfungen entstehen.
Und die gesundheitlichen Risiken verschwinden dadurch natürlich auch nicht.
„Meine Schleppleine liegt doch meistens nur am Boden. Da kann nichts passieren!"
Auch dann gehört die Schleppleine nicht ans Halsband!
Dein Hund kann auf die Leine treten, sie kann sich im Gestrüpp verfangen oder ein anderer Mensch kann versehentlich darauf steigen.
Stell dir vor, dein Hund läuft gerade entspannt an dir vorbei und plötzlich bleibt die Leine irgendwo hängen. Auch wenn er gar nicht aktiv in die Leine rennt, kann dadurch ein ruckartiger Zug am Hals entstehen.
Deshalb gilt für mich auch hier: Schleppleine immer am gut sitzenden Brustgeschirr befestigen.
Fazit: Sicherheit geht vor!
Wir verwöhnen unsere Hunde, kaufen ihnen die tollsten Sachen und möchten ihnen möglichst viel bieten. Dabei vergessen wir manchmal, auf die kleinen Dinge zu achten, die für ihre Gesundheit und Sicherheit besonders wichtig sind.
Die richtige Ausrüstung gehört für mich definitiv dazu.
Wenn du mit deinem Hund eine Schleppleine verwenden möchtest, achte bitte auf ein gut sitzendes Brustgeschirr, das seine Bewegungsfreiheit nicht einschränkt und nicht scheuert. Auch die Handhabung der Schleppleine und die Länge sollten zu eurem Alltag und der jeweiligen Umgebung passen.
Und wenn du Schwierigkeiten mit dem Leinenmanagement hast oder dein Hund regelmäßig in die Leine rennt, lass dir dabei helfen. Eine tierschutzqualifizierte Hundetrainerin oder ein tierschutzqualifizierter Hundetrainer kann dich dabei unterstützen, passende Signale aufzubauen und eure Spaziergänge entspannter zu gestalten.
Denn dein Hund soll die Welt entdecken dürfen, ohne dass seine Gesundheit dabei aufs Spiel gesetzt wird.
Danke, dass du Rücksicht auf deinen Hund nimmst! ❤️
Verstehen. Vertrauen. Zusammenwachsen.